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Invasion der Nashornkäfer

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Heike Rode aus Stadtroda hat in ihrem Kleingarten zahlreiche Prachtexemplare der geschützten Riesenkäfer entdeckt

Stadtroda:

Mehr als 25 Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) hat Heike Rode aus Stadtroda in ihrem privaten Kleingarten entdeckt. „Sie waren beim Umschichten eines Komposthaufens plötzlich aus der Erde gekrabbelt“, berichtet die städtische Angestellte. „Darunter Prachtexemplare von mehr als vier Zentimeter Länge.“

 Die seltenen Riesenkäfer gehören zu den gesetzlich besonders geschützten Tierarten. „Die Nashornkäfer haben in dem Komposthaufen offensichtlich ideale Lebensbedingungen vorgefunden und sich kräftig vermehrt“, sagt Käfer-Experte Ronald Bellstedt vom Museum der Natur Gotha. „Da sie dämmerungs- und sehr grabungsaktiv sind, bekommen Menschen sie nur selten zu Gesicht.“ Bellstedt, der auch Vorsitzender des Thüringer Entomologen-Verbandes ist, hat die Invasion der Nashornkäfer in Stadtroda gleich mit einer Fundmeldung wissenschaftlich dokumentiert.

Die glänzend kastanien- bis schwarzbraun

gefärbten Nashornkäfer zählen zu den größten Käfern Europas. Sie gelten als nützliche und kapitale Helfer im Kompost, da sie sich ausschließlich auf abgestorbenes Pflanzengewebe beschränken. Charakteristisch ist das etwa 10 Millimeter lange, namensgebende „Horn“ auf dem Kopf des männlichen Tieres. Das Käfer-Weibchen hat an Stelle des nach hinten gebogenen Horns nur einen mehr oder weniger ausgeprägten „Höcker“ vorzuweisen. Bei den von Heike Rode entdeckten Exemplaren („bei 25 habe ich aufgehört zu zählen“)

handelte es sich vorwiegend um adulte Männchen.

 Die Garten-Besitzerin hat ihre Nashornkäfer wieder im Komposthaufen angesiedelt, damit sie den kommenden Winter unbeschadet überleben können. Insekten-Forscher Bellstedt: „Die Tiere benötigen, je nach Temperaturverhältnissen, für den vollständigen Entwicklungs-kreislauf immerhin zwischen zwei und fünf Jahre. Dabei erreichen die ausgewachsenen Larven eine stattliche Länge bis zu 12 Zentimeter. Die Verpuppung erfolgt in einem etwa pflaumengroßen Kokon, aus dem dann der Käfer schlüpft.“

Da der natürliche Lebensraum der Nashornkäfer (ursprünglich einmal Eichenwälder) immer mehr schrumpft, rät Ronald Bellstedt Gartenbesitzern, Komposthaufen mit Laubholzhäcksel und Sägemehl als mögliche Brutstätten anzulegen und diese für längere Zeit unberührt zu lassen. „Auf diese Weise kann, wie das Beispiel aus Stadtroda eindrucksvoll zeigt, ein wichtiger Beitrag zum Natur- und Artenschutz geleistet werden.“

 

07.09.2012/Friedhelm Berger/Top Press

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